MENTALE BEHINDERUNG

Dr. Thomas Maschke
 
Das Attribut der „geistigen Behinderung“ wird Menschen zugeschrieben, deren gemessene kognitive Leistungsfähigkeit mit IQ-Werten kleiner als 70 als signifikant „unterdurchschnittlich“ klassifiziert wird. Die medizinische Definition z.B. der ICD-10  benennt unterschiedliche Formen, von „leichter Intelligenzminderung“ (F70) bis zu hochgradig defizitären Formen (F73), auch in Kombination mit anderen Beeinträchtigungen . Dass Intelligenzminderung in einer internationalen Klassifikation von Krankheiten benannt wird, wirft ein spezifisches Licht auf die defizitär orientierte Richtung medizinisch-funktioneller Betrachtung.
 
 
BILDUNGSFÄHIGKEIT ALLER MENSCHEN
 
Der (sonder-) pädagogische Ansatz hat seine historischen Wurzeln in den Forschungen und Publikationen Eduard Séguins, der 1846 unter dem Titel „Moralische Behandlung, Hygiene und Erziehung der Idioten“  das weltweit erste Lehrbuch für eine Pädagogik für Menschen mit einer geistigen Behinderung veröffentlichte. Die Überzeugung von der Bildungsfähigkeit aller Menschen ist die Basis der Arbeit Séguins und beeinflusst damit z.B. auch das aktuelle Konzept der Arbeit mit „praktisch Bildbaren“. Die Möglichkeiten des Individuums der (Weiter-) Entwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe ist hier impliziert. Die wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussion ist dennoch vielschichtig, was mit dem Verweis auf die Provokation Feusers „Geistigbehinderte gibt es nicht“  verdeutlicht werden kann.
 
Die mit dem Attribut der geistigen Behinderung belegte Menschengruppe umfasst ein breites und sehr heterogenes Spektrum: vom Grenzbereich zur sogenannten Normalintelligenz bis hin zu „schwersten und mehrfachen“ Beeinträchtigungen. Wobei wiederum darauf zu verweisen ist, dass i.d.R. Diagnosen wie „Autismus“ oder auch „Down-Syndrom“ synonym mit geistiger Behinderung gesetzt werden, dies aber als absolut unzureichend zu bewerten ist .
 
 
FÖRDERUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR MENSCHEN MIT MENTALER BEHINDERUNG
 
Menschen mit geistiger Behinderung werden in vielen Bereichen besonders gefördert und unterstützt:
  • medizinisch und therapeutisch
  • (sonder-) pädagogisch durch

            -   Frühförderung
            -    spezifische vorschulische Bildungsangebote
            -   spezifische schulische Bildungsangebote
            -    berufsbildende Angebote

  • Eingliederung in das Arbeitsleben
  • unterstützende Wohnformen
  • sowie andere.

Dr. Thomas Maschke, Überlingen
Dozent an der Pädagogischen Hochschule Mannheim
Schulleiter der Kaspar-Hauser-Schule für Erziehungshilfe
Koordinator der Themenbereiche
mentale  Behinderung, Integration, Inklusion
des Sozialforums