KÖRPERLICHE BEHINDERUNG

HILFE UND REHABILITATION FÜR MENSCHEN MIT KÖRPERLICHEN EINSCHRÄNKUNGEN
 
Evgenij Petsherskich

Der Mensch wird nicht durch eine Krankheit oder einen Unfall zum Behinderten, sondern es ist die Gesellschaft, die ihm unendliche Barrieren in den Weg stellt, die er aus verschiedenen Gründen nicht überwinden kann. Ein Mensch mit Behinderungen trifft in der Regel auf persönliche (psychologische), soziale und physische Hindernisse.
 
Soziale Isolation führt zu psychischen Störungen, und diese psychischen Probleme, verhindern ihrerseits den Aufbau normaler Beziehungen zu Menschen im Umkreis. Das vertieft die soziale Isolation des Behinderten zusätzlich.
 
Zuerst führt die Krankheit zu physischen Leiden und Angst vor der Zukunft. Später erlebt der Behinderte, wie er vom Ernährer zur Last wird, vom Arbeitenden zum unnützen Brotesser, vom Mitglied einer Freundesgruppe zum Gegenstand für Mitleid und Mitgefühl.
 
 
UNZULÄNGLICHKEIT STÄDTISCHER INFRASTRUKTUR
 
Wenn ein Mensch Probleme damit hat, sich fortzubewegen, so wird er bei der gegenwärtigen Unzugänglichkeit städtischer Infrastruktur zusätzlich zum Gefangenen in  den eigenen vier Wänden. Bald kommuniziert er nur noch mit denjenigen Familienmitgliedern, die ihn versorgen und ihm häufig die Möglichkeit nehmen, Selbständigkeit zu üben. Als Objekt für Mitleid und Mitgefühl entwickelt er eine Versorgungshaltung in allem und gegenüber jedem, was zur Persönlichkeitsdegradierung führt.
 
Noch größere Probleme haben Menschen, die schon von Geburt oder von früher Kindheit an eine Behinderung haben und in staatlichen Sonderschulen oder zu Hause unterrichtet werden. Sie können keinerlei Erfahrung für den Umgang mit Gleichaltrigen ohne Behinderung entwickeln.
 
 
AUFLÖSUNG DER HINDERNISSE IM KOPF
 
Der effektivste Weg für die Rehabilitation von Behinderten und die Auflösung der Hindernisse im Kopf  ist die Durchführung komplexer Maßnahmen auf der Grundlage der Prinzipien selbständigen Lebens, die Weitergabe von Kenntnissen und Fähigkeiten, die für ein selbständiges Leben erforderlich sind, durch erfahrene andere Behinderte. Diese müssen für diese Aufgabe ausgebildet werden und selbst aktiv selbständig leben. Dann können sie modellhafte Rollenvorbilder für andere Behinderte werden und folgende Aufgaben übernehmen:
  • Besuche eines von erfahrenen Behinderten gebildeten Betreuungsdienstes im Krankenhaus oder zu Hause mit dem Ziel, Menschen, die noch nicht lange behindert sind, auf die Bedingungen eines Lebens mit einer Behinderung, das ihnen durch einen Unfall oder eine Krankheit aufgezwungen wurde, vorzubereiten
  • Training für Behinderte in Selbstversorgung und Selbstorganisation des eigenen Lebens nach dem Prinzip „Ich kann alles!“ und darin, aufgrund von neu erworbenen Fähigkeiten des selbständigen Lebens auch soziale Unabhängigkeit zu erlangen.
  • Arbeit mit der Familie eines Behinderten, Ausbildung der Familienmitglieder darin, wie man einen Behinderten versorgt.
  • Juristische und psychologische Hilfe für Behinderte und ihre Nächsten, Kommunikationstraining.
  • Informations- und Beratungstätigkeit zu verschiedenen Fragen
  • Durchführung von Seminaren und Trainings zum Verständnis von Behinderung, Behindertenrechten, Zugang zu Bildung und Arbeit.
  • Versammlungen zu Fragen aktiver Rehabilitation, der Nutzung von Sportrollstühlen, und technischer Rehabilitations-Ausrüstung.
  • Reparatur und Ausleihe von technischen Hilfsmitteln.
  • Unterstützung Behinderter bei Bildung, Ausbildung und Arbeitssuche.
  • Expertenberatung zum Aufbau einer leicht zugänglichen Lebensumgebung.
  • Herausgabe von methodischer und informativer Literatur zu Rehabilitations- und Integrationsfragen, Aufbau einer Bibliothek für Behinderte und ihre Verwandten.
  • Freizeitgestaltung, Interessengruppen.
  • Herstellung von Filmen und Clips mit sozialer Reklame, Zusammenarbeit mit Medienvertretern zur Überwindung von Stereotypen, die in der Gesellschaft in Bezug auf Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten herrschen.
 
Evgenij Petsherskich
Vorstandsvorsitzender der Gesellschaftlichen Organisation
behinderter Rollstuhlfahrer «Associacia Desnica“, Samara
Initator des Sozialforums
Koordinator des Themenbereichs
Körperliche Behinderung des Sozialforums und
Moderator dieses Themenbereichs im Onlineforum